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EU-geförderte Wissenschaftler zeigen die erste Aufnahme eines schwarzen Lochs

(10.04.2019) Ein internationales Forscherteam hat heute die erste Aufnahme eines schwarzen Lochs präsentiert und somit die Aussagen von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie bestätigt.

Die EU hat drei der führenden Wissenschaftler sowie die Entwicklung und den Ausbau der großen Teleskopinfrastruktur mit mehreren Millionen Euro gefördert. „Dank des Beitrags europäischer Wissenschaftler ist die Existenz schwarzer Löcher von heute an nicht mehr nur ein theoretisches Konzept“, sagte EU-Forschungskommissar Carlos Moedas. „Diese beeindruckende Entdeckung zeigt einmal mehr, wie die Zusammenarbeit mit Partnern in der ganzen Welt dazu führen kann, dass das Undenkbare möglich wird und der Horizont unseres Wissens sich weiter vergrößert.“

Die Wissenschaft werde oft durch Fiktionen inspiriert, „und schwarze Löcher spuken schon lange in unseren Träumen herum und regen unsere Neugier an“, sagte Moedas. Der Präsident des Europäischen Forschungsrates (ERC), Prof. Jean-Pierre Bourguignon‚ fügte hinzu: „Ich gratuliere den Wissenschaftlern auf der ganzen Welt, denen diese inspirierende Leistung gelungen ist, und die damit die Grenzen unseres Wissens erweitert haben. Insbesondere freue ich mich, dass vom Europäischen Forschungsrat geförderte Wissenschaftler entscheidend zu diesem Durchbruch beigetragen haben. Der mutige Ansatz der EU, solche wegweisende Grundlagenforschung zu finanzieren, mündet einmal mehr in eine Erfolgsgeschichte. Darüber hinaus wird das Ziel des ERC, risikoreiche aber vielversprechende Forschungsarbeiten finanziell zu unterstützen, erneut bestätigt.“

Diese allererste Aufnahme von einem schwarzen Loch ist das Ergebnis einer groß angelegten internationalen Forschungszusammenarbeit im Rahmen von Event Horizon Telescope (EHT).

Damit die unmittelbare Umgebung eines schwarzen Lochs direkt beobachtet werden kann, wurde für Event Horizon Telescope ein weltweites Netzwerk mit acht auf dem ganzen Globus verteilten Teleskopen aufgerüstet und verknüpft. Die Teleskope wurden in extremen Höhenlagen aufgebaut, unter anderem in der spanischen Sierra Nevada, auf Vulkanen in Hawaii und in Mexiko, in den Bergen von Arizona, in der Atacama-Wüste in Chile und in der Antarktis. Mehr als 200 Forscher aus Europa, Nord- und Südamerika sowie Ostasien sind an diesem großen internationalen Projekt beteiligt.

Der Europäische Forschungsrat hat an der EHT-Zusammenarbeit beteiligten Wissenschaftlern Finanzmittel aus dem EU-Programm Horizont 2020 und dem 7. Forschungsrahmenprogramm für folgende Projekte zur Verfügung gestellt:

  • 14 Mio. Euro für das Projekt BlackholeCam, das auf die Abbildung sowie die Messung und das Verständnis von schwarzen Löchern abzielt. Seit 2014 wird dieses sechsjährige Forschungsprojekt von drei leitenden Wissenschaftlern und ihren Teams durchgeführt, nämlich Professor Heino Falcke von der Radboud-Universität Nijmegen (er ist auch der Vorsitzende des EHT-Wissenschaftsrats), Michael Kramer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie und Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität Frankfurt.
  • Mit dem Programm RadioNET möchte ein Konsortium aus 27 Einrichtungen in Europa, der Republik Korea und Südafrika die Integration von Weltklasse-Infrastrukturen für Radioastronomie umsetzen. Dazu gehören Radioteleskope, Teleskop-Arrays, Datenarchive und das weltweit tätige europäische Netzwerk interferometrischer Radioteleskope (European Network for Very Long Baseline Interferometry, EVN). Koordiniert wird das Projekt vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie. In den letzten 15 Jahren hat die EU 30,3 Mio. Euro in RadioNET investiert.

Hintergrund

Bei schwarzen Löchern handelt es sich um hochgradig komprimierte Phänomene im Weltraum, wobei sich auf winzigstem Raum unglaubliche Mengen an Masse sammeln. Sie haben enorme Auswirkungen auf ihre Umgebung, da sie Raum und Zeit verzerren und jegliches Material, das in ihre Nähe gelangt, überhitzen. Das aufgenommene Bild zeigt das schwarze Loch im Zentrum von Messier 87, einer Riesengalaxie im Sternbild Jungfrau. Dieses schwarze Loch ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und 6,5 Milliarden Mal größer als unsere Sonne.

Die heutigen Ergebnisse reihen sich in die zahlreichen Erfolge des EU-Programms zur Förderung von Forschung und Innovation „Horizont 2020“ und seiner Vorläuferprogramme ein. Davon ermutigt hat die Kommission mit dem Programm „Horizont Europa“ das bislang ehrgeizigste EU-Programm vorgeschlagen, damit die EU weltweit in Forschung und Innovation an vorderster Front mitwirken kann.

Der Europäische Forschungsrat (ERC) wurde 2007 von der EU eingerichtet und ist die wichtigste europäische Organisation für die Finanzierung von Pionierforschung. Der ERC wählt jedes Jahr – unabhängig von Nationalität und Alter – die besten und kreativsten Wissenschaftler aus, um ihnen die Durchführung von Projekten in Europa zu ermöglichen. Der ERC bietet Zuschüsse in vier Kategorien an: „ERC Starting Grants“, „ERC Consolidator Grants“, „ERC Advanced Grants“ und „ERC Synergy Grants“. Mit den zusätzlichen „ERC Proof of Concept Grants“ können die Begünstigten die Lücke zwischen Pionierforschung und früher Vermarktungsphase überbrücken.

 

Weitere Informationen:

Foto- und Videoaufnahmen des schwarzen Lochs auf der Seite des audiovisuellen Diensts der Kommission

Pressemitteilung von Event Horizon Telescope

Pressekonferenz der Europäischen Kommission zu „Europe by Satellite“

Pressekonferenz der Europäischen Kommission auf EUtube

Verfolgen Sie die Nachrichten auf Facebook‚ Instagram und Twitter unter dem Hashtag #RealBlackHole.

Nachrichtenmeldung des Europäischen Forschungsrates

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