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Beschäftigungsbericht 2016 zeigt positive Tendenzen: 3 Millionen neue Jobs und steigende Erwerbstätigkeit

(20.12.16) Im vergangenen Jahr wurden in den Mitgliedstaaten drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen.

Nie zuvor waren in Europa mehr Menschen erwerbstätig, im 2. Quartal 2016 waren es 232 Millionen. Diese Zahlen stammen aus dem heute (Dienstag) von der Kommission vorgelegten Jahresbericht zur Beschäftigung und zur sozialen Lage in Europa. Sozialkommissarin Marianne Thyssen sagte: „Dieser Jahresbericht zeigt, dass unsere Bemühungen der letzten Jahre Früchte tragen. Unsere Volkswirtschaften schaffen weiterhin Arbeitsplätze und die real verfügbaren Haushaltseinkommen sind gestiegen. Gleichzeitig werden Gesellschaften und Arbeitsmärkte durch neue Technologien und neue Formen der Arbeit verändert. Diese bringen neue Chancen, jedoch auch neue Herausforderungen mit sich; wir müssen daher sicherstellen, dass niemand zurückbleibt. Mit der europäischen Säule der sozialen Rechte und neuen Initiativen im Rahmen unserer Agenda für neue Kompetenzen wollen wir uns diesen Herausforderungen stellen.“

Im vergangenen Jahr wurden drei Millionen Arbeitsplätze geschaffen; bei den meisten davon handelte es sich um Dauerarbeitsplätze. Der Anteil der durch Armut oder soziale Ausgrenzung gefährdeten Personen in der EU ist der niedrigste seit fünf Jahren (23,7 Prozent).

Noch immer aber sind 8,6 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger arbeitslos; der Bericht macht deutlich, wie schwer es für sie in den Jahren nach der Krise (2008-2013) war, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen: Nur jedem achten Arbeitslosen gelang es innerhalb von drei Jahren, einen unbefristeten Vollzeitarbeitsplatz zu finden. Die Jugendarbeitslosigkeit, die noch immer über 20 Prozent liegt, gibt nach wie vor Anlass zu großer Besorgnis.

Arbeitswelt im Wandel

Die Zukunft der Arbeitswelt wird vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft anders aussehen als heute, insbesondere infolge des Aufkommens digitaler Plattformen und der kollaborativen Wirtschaft, die neue Arbeitsmöglichkeiten vor allem für Selbstständige schaffen werden. In den Jahren von 2005 bis 2010 ging das Wirtschaftswachstum in der EU zu einem Drittel auf Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnik zurück, doch gerade in dieser Branche können viele Stellen nicht besetzt werden.

Weiterhin große Unterschiede zwischen den Arbeitsmärkten der Mitgliedstaaten

Die Arbeitsmärkte sowie die Sozialpolitik und Institutionen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten haben auf die wirtschaftlichen Erschütterungen sehr unterschiedlich reagiert. Die Unterschiede zwischen den Beschäftigungsraten sind groß: sie reichen von 81,5 Prozent in Schweden bis 56,6 Prozent in Griechenland. Die Arbeitslosenrate ist in Deutschland mit 4,1 Prozent am niedrigsten und in Griechenland mit 23,1 Prozent am höchsten.

Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft und die Arbeitsmärkte

Im Jahr 2015 und in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 wurden in den Mitgliedstaaten nahezu 2,2 Millionen Asylanträge gestellt. Bei der Integration von Flüchtlingen in unsere Arbeitsmärkte gibt jedoch Probleme, wie etwa geringer Bildungsgrad oder unzureichende Sprachkenntnisse. Investitionen in Bildung und Sprachkenntnisse von Flüchtlingen wird somit entscheidende Bedeutung für die Erleichterung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zukommen. Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft wird dies zur Stärkung des Humankapitals in der EU beitragen.

Kapazitätsaufbau für den sozialen Dialog

Da sich der Unterschied zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch neue Beschäftigungsformen verwischen kann, stehen die Sozialpartner vor neuen Herausforderungen hinsichtlich der Rolle, die sie selbst und der soziale Dialog bei der Lösung der Probleme spielen können, die sich heute auf dem Arbeitsmarkt stellen. Im Bericht wird beschrieben, wie die Sozialpartner diese Probleme effektiv lösen können, indem sie diese neuartigen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertreten und mit den staatlichen Stellen zusammenarbeiten. So werden beispielsweise in mehreren Mitgliedstaaten neuartige digitale Unternehmen wie Uber und deren Mitarbeiter zunehmend als Mitglieder der Sozialpartner integriert. 

Hintergrund

Dieser Bericht umfasst die neuesten Trends im Beschäftigungs- und Sozialbereich sowie Überlegungen zu sich abzeichnenden Problemen und möglichen politischen Reaktionen darauf. Der Bericht stützt sich auf die jüngsten verfügbaren Daten sowie die aktuellste Literatur und stellt als Dokumentation und Analyse sowie Auswertung von Trends und bevorstehenden Herausforderungen für die Kommission die Hauptrichtschnur für die Gestaltung ihrer Beschäftigungs- und Sozialpolitik dar.

Es gibt viele konkrete Beispiele dafür, wie die Kommission die in den jährlichen Berichten aufgezeigten Probleme angeht. Eine Leitinitiative ist die europäische Säule der sozialen Rechte, zu der Anfang nächsten Jahres ein abschließender Vorschlag vorgelegt werden soll, nachdem im März 2016 eine umfassende Konsultation eingeleitet wurde. Hauptziele dieser Initiative sind die Maximierung von Beschäftigungschancen, die Gewährleistung inklusiver Arbeitsmärkte und die Förderung einer Rückkehr zur Aufwärtskonvergenz im Euro-Währungsraum und in allen 28 EU-Mitgliedstaaten.

Wir werden unsere Anstrengungen im Rahmen der im Juni 2016 auf den Weg gebrachten Agenda für neue Kompetenzen verstärken, um in die Fähigkeiten der Menschen zu investieren und sie in die Lage zu versetzen, den Anforderungen des Arbeitsmarkts gerecht zu werden. Die Vorlage einer Blaupause zur Branchenzusammenarbeit im Bereich Kompetenzen steht für Anfang des nächsten Jahres auf dem Programm. In der ersten Jahreshälfte 2017 soll in diesem Zusammenhang auch ein Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige entwickelt werden. Es wird der frühzeitigen Feststellung, Sichtbarmachung und Anerkennung der Qualifikationen von Asylbewerbern, Flüchtlingen und anderen Migranten dienen.

Schließlich haben auch die Bemühungen der Kommission um eine Verringerung der Arbeitslosigkeit allgemein und der Jugendarbeitslosigkeit im Besonderen Früchte getragen. Seit 2013 ist die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen in der EU um 1,6 Millionen zurückgegangen, und die Zahl derjenigen, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren, ist um 900 000 gesunken. Mit der Verlängerung der Jugendgarantie, der Aufstockung der Mittel für die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen und der kürzlich vorgestellten Initiative für weitere Investitionen in Europas Jugend will die Kommission den jungen Menschen möglichst viele Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen. 

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Fazit des Berichts zur Beschäftigung und zur sozialen Lage in Europa: Mehr Beschäftigung, weniger Armut und eine sich wandelnde Arbeitswelt

Fact Sheet: 2016 Employment and Social Developments in Europe Review

Artikel auf der Website der GD Beschäftigung

Beschäftigungs- und Sozialbericht 2016

Beschäftigung und Sozialanalyse

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