Informationszentrum für die Region zwischen Elbe, Weser und Aller

Jede dritte Frau in Europa ist Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt

(24.11.2017) Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen hat die EU-Kommission heute zum Ende der Gewalt gegen Frauen aufgerufen.

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: „Nach wie vor wird Frauen und Mädchen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union täglich Gewalt angetan. Diese Verletzung der Menschenrechte ist weitverbreitet und hat viele Gesichter: Sie geschieht in allen sozialen Schichten, egal ob zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Schule, auf der Straße, beim Sport oder im Internet.“ Jede dritte Frau in Europa ist Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt. 80 Prozent der Opfer von Menschenhandel in der EU sind weiblich. Im Jahr 2015 wurden in der EU etwa 215.000 gewalttätige Sexualverbrechen von der Polizei registriert. Ein Drittel davon (fast 80.000) waren Vergewaltigungen.

Jüngsten Eurostat-Zahlen zufolge waren im Jahr 2015 mehr als neun von zehn Vergewaltigungsopfern und mehr als acht von zehn Opfern sexueller Übergriffe Mädchen und Frauen, während fast alle, die wegen solcher Verbrechen inhaftiert waren, männlich waren (99 Prozent).

In absoluten Zahlen verzeichnete die Polizei in England & Wales die höchste Zahl von gewalttätigen Sexualdelikten (64.500, davon 35.800 Vergewaltigungen - 55 Prozent), gefolgt von Deutschland (34.300, davon 7.000 Vergewaltigungen - 20 Prozent) und Frankreich (32.900, davon 13.000 Vergewaltigungen - 40 Prozent).

Neues Regionalprogramm zum Schutz von Wanderarbeiterinnen in Südostasien

Die Kommission hat im Vorfeld des Internationalen Tags für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen ein neues Regionalprogramm aufgelegt, das sichere und faire Bedingungen für alle Wanderarbeitnehmerinnen in Südostasien schaffen soll. Das Programm ist Teil der neuen Leitinitiative der Europäischen Union und der Vereinten Nationen zur Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, für die 500 Mio. Euro bereitgestellt werden. Das mit 25 Mio. Euro ausgestattete neue Programm „Sicher und Fair“ wird dazu beitragen, die Situation von Wanderarbeitnehmerinnen in der ASEAN-Region zu verbessern. Gemeinsam mit UN Women und der Internationalen Arbeitsorganisation wird die EU mit Regierungen, Basisorganisationen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Diensteanbietern zusammenarbeiten, um die arbeitsrechtlichen Vorschriften und den Zugang zu Informationen und Unterstützungsdiensten zu verbessern. Das übergreifende Ziel besteht darin, dafür zu sorgen, dass Frauen und Mädchen nicht mehr Opfer von Gewalt und Menschenhandel werden.

Die gemeinsame Erklärung der Kommission im Wortlaut: „Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen möchten wir noch einmal bekräftigen, dass die Gewalt gegen Frauen sofort aufhören muss.

Nach wie vor wird Frauen und Mädchen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union täglich Gewalt angetan. Diese Verletzung der Menschenrechte ist weitverbreitet und hat viele Gesichter: Sie geschieht in allen sozialen Schichten, egal ob zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Schule, auf der Straße, beim Sport oder im Internet. Sie hindert Frauen und Mädchen daran, ihr volles Potenzial in allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens – in der Politik, der Kultur, im sozialen Bereich und in der Wirtschaft – zu entfalten.

Jede dritte Frau in Europa ist Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt. 80 % der Opfer von Menschenhandel in der EU sind weiblich. In den Entwicklungsländern ist jedes dritte Mädchen bereits vor Vollendung des 18. Lebensjahres verheiratet.

Allerdings zeichnet sich ein Wandel ab. In den letzten 30 Jahren sind die Fälle weiblicher Genitalverstümmelung in Afrika um 50 Prozent zurückgegangen. In Südasien ist der Anteil der Mädchen, die vor dem 15. Lebensjahr verheiratet werden, um die Hälfte gesunken. Zudem hat die Bewegung #metoo jüngst dazu beigetragen, auf das Ausmaß der sexuellen Belästigung und Übergriffe aufmerksam zu machen, und hat Opfer ermutigt, an die Öffentlichkeit zu gehen, um ihre Rechte einzufordern und zu verteidigen.

Um geschlechtsspezifische Gewalt ein für alle Mal zu beenden, müssen wir die Bildung und die Gesetzgebung verbessern und soziale Normen ändern. Im Jahr 2017 haben wir das Handeln auf europäischer Ebene ganz darauf ausgerichtet, alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich zu beseitigen. So werden beispielsweise Anwälte, Ärzte, Lehrer und Polizeikräfte mit EU-Finanzhilfe für Nichtregierungsorganisationen darin geschult, Opfer zu unterstützen und geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern.

Darüber hinaus haben wir auch über unsere Grenzen hinaus gemeinsam mit den Vereinten Nationen die Initiative „Spotlight“ mit einer beispiellosen Anfangsinvestition in Höhe von 500 Mio. Euro auf den Weg gebracht. Mit dieser Initiative werden die Ursachen für Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf globaler Ebene angegangen. So werden Opfer unterstützt und darin bestärkt, zu einer sichereren, widerstandsfähigeren, reicheren und freieren Gesellschaft beizutragen.

Die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein erster Schritt auf dem Weg zu Frieden und Sicherheit auf der ganzen Welt und steht im Mittelpunkt der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Sie ist eine Grundvoraussetzung für die Förderung, den Schutz und die Verwirklichung der Menschenrechte, der Gleichstellung der Geschlechter, von Demokratie und für wirtschaftliches Wachstum.

Die Europäische Union wird sich weiterhin unermüdlich dafür einsetzen, der Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein Ende zu bereiten, sodass sie ein für alle Mal der Vergangenheit angehört.“

Hintergrund

Gewalt gegen Frauen und Mädchen zählt zu den meistverbreiteten und verheerendsten Menschenrechtsverstößen weltweit. Schätzungen zufolge haben 35 Prozent aller Frauen irgendwann in ihrem Leben Gewalt erlitten; in manchen Ländern beträgt dieser Anteil sogar 70 Prozent. Dieses Elend behindert die Gleichstellung und die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen sowie die nachhaltige Entwicklung im Allgemeinen und steht den Zielen für nachhaltige Entwicklung im Weg. Weltweit ist ein kontinuierliches Engagement in allen Ländern und Regionen erforderlich, um die Geißel der Gewalt zu überwinden.

Die Kommission hat den Beitritt der Europäischen Union zum Übereinkommen von Istanbul des Europarates vorgeschlagen. Die Arbeiten im Hinblick auf eine Ratifizierung sind im Gange. Die Kommission fordert alle Mitgliedstaaten der EU auf, die das Übereinkommen noch nicht ratifiziert haben, dem Beispiel der anderen zu folgen.

Im vergangenen Jahr hat die Kommission den Startschuss für die Kampagne „NON.NO.NEIN. Say No! Stop violence against women“ (Sagt Nein! Keine Gewalt mehr gegen Frauen) gegeben. Damit soll zum einen auf das Problem aufmerksam gemacht, zum anderen sollen konkrete Projekte finanziert werden, um das Risiko von Gewalt zu reduzieren und Frauen zu unterstützen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Die Europäische Kommission hat den Mitgliedstaaten, Kommunalverwaltungen sowie einschlägigen Fachleuten und zivilgesellschaftlichen Organisationen in ganz Europa Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 15 Millionen EUR bereitgestellt, damit diese ihre Maßnahmen und Kampagnen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen intensivieren.

Im Juni 2017 hat die Europäische Kommission beim „Aufruf zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Notfällen“ die Federführung übernommen. In humanitären Krisen ist geschlechtsspezifische Gewalt oft weitverbreitet. Die Kommission setzt sich dafür ein, die Überlebenden zu unterstützen und diese Form der Gewalt auszumerzen. Mehr als 60 humanitäre Organisationen beteiligen sich an der Initiative, mit der geschlechtsspezifische Gewalt als lebensbedrohlich anerkannt und gleich zu Beginn einer Krise eingedämmt werden soll. Frauen und Mädchen, die in Gefahr sind, Opfer von Gewalt zu werden, erfordern unsere sofortige Aufmerksamkeit. Die Kommission ist entschlossen, sich ihre Führungsrolle zu Nutze zu machen, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen und ihre Anstrengungen in konkrete Maßnahmen vor Ort umzusetzen.

Die Spotlight-Initiative wurde gemeinsam mit den Vereinten Nationen auf der 72. Generalversammlung der Vereinten Nationen im September lanciert und richtet sich gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Bekämpft werden soll damit hauptsächlich häusliche und familiäre Gewalt, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt und schädliche Praktiken, Frauenmorde sowie der Menschenhandel und die sexuelle und wirtschaftliche Ausbeutung. Diese Initiative ist für den Zeitraum von 2017 bis 2023 mit einer Erstinvestition von 500 Mio. Euro ausgelegt, wobei die EU der Hauptgeber ist (siehe Video).

 

Weitere Informationen:

MEMO/17/4849

Factsheet – ein Jahr gezielten Handelns gegen Gewalt an Frauen

Eurostat-Zahlen zur Gewalt gegen Frauen

Pressemitteilung: EU unterstützt Rechte und Schutz von Wanderarbeitnehmerinnen in Südostasien mit 25 Mio. Euro

Pressekontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel.: +49 (30) 2280-2140

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter (030) 2280 2900.