Von der Leyen rechnet ab April mit 100 Millionen Impfdosen pro Monat

(09.03.2021) Präsidentin Ursula von der Leyen hat in mehreren Zeitungsinterviews über die Covid19-Impfungen in Europa gesprochen.

Die EU baue jetzt die Strukturen auf, um die bereits entwickelten Vakzine an Mutationen des Virus anpassen zu können, sagte von der Leyen in der Stuttgarter Zeitung und dem Standard aus Wien. Ab April sei mit etwa 100 Millionen Dosen pro Monat eine deutliche Beschleunigung der Lieferungen zu erwarten. In der Wirtschaftswoche betonte die Kommissionspräsidentin, dass die EU-Kommission bei allen Lehren, die in der Rückschau zwar gezogen werden sollten, nicht bereit sei, als Sündenbock für langsame Lieferungen insbesondere von AstraZeneca zu dienen. Das Unternehmen habe zwischen Dezember und März weniger als 10 Prozent der bestellten Menge geliefert. Der neue Exportmechanismus der EU schaffe deshalb einen Überblick über Exporte von Impfstoff in andere Länder.

„Regelmäßige Impfung gegen Corona und seine Varianten könnten auf Dauer zur Norm werden“, sagte von der Leyen. Deshalb arbeite die EU eng mit Pharmafirmen zusammen und unterstütze deren Forschung. „Ich treffe mich regelmäßig mit den Vorstandsvorsitzenden der sechs erfolgreichsten Impfstoffproduzenten. Die Firmen wollen mit dem neuen Hera-Inkubator zusammenarbeiten, der unsere Antworten auf das sich verändernde Virus beschleunigen kann“, so von der Leyen im Standard weiter. Neben der Unterstützung der Industrie und erhöhten Produktionskapazitäten liege ein Schwerpunkt auch auf einem strafferen Prüfverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

In der Rückschau sei klar, dass die Wissenschaft die Industrie bei der Entwicklung der Impfstoffe überholt habe. „Engpässe bei Rohstoffen oder in Zulieferketten schnellstmöglich zu beseitigen, das war schwerer und holpriger als erwartet. Deshalb ging es am Anfang sehr schleppend los“, sagte die Präsidentin. 

Zu Impfungen in Israel

Sie betonte im Standard aber auch: „Die europäische Produktion kann sich sehen lassen. Biontech/Pfizer hat seine Hauptproduktion hier und wird auch in die ganze Welt exportiert.“ Auch der Impfstoff für die knapp neun Millionen Menschen in Israel stamme aus Europa. „Was Israel so besonders macht, ist, dass das gesamte Gesundheitswesen voll digitalisiert ist und offenbar eine besondere Vereinbarung mit dem Pharmakonzern getroffen hat. Die beim Impfen erhobenen Gesundheitsdaten der Bürgerinnen und Bürger wurden wie in einer großen klinischen Studie der Firma zur Verfügung gestellt. Wenn eine Lehre dieser Reise ist, dass auch wir unsere Gesundheitssysteme so schnell wie möglich voll digitalisieren, um künftig schneller auf Risiken reagieren zu können, dann hat das meine volle Unterstützung.“ Man könnte auch EU-Gelder aus dem Europäischen Aufbauplan  „Next Generation EU“ dafür einsetzen, so von der Leyen im Standard.

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