EU geht bei WTO gegen diskriminierende Auftragsvergabe durch russische Staatsunternehmen vor

(20.07.2021) Die EU hat gestern (Montag) in der Welthandelsorganisation (WTO) Konsultationen mit Russland beantragt. Bestimmte russische Maßnahmen erschweren oder hindern EU-Unternehmen daran, Waren und Dienstleistungen im Rahmen der Auftragsvergabe zu kommerziellen Zwecken an russische Staatsunternehmen und andere russische Einrichtungen zu verkaufen.

Diese Praktiken scheinen im Widerspruch zu den WTO-Regeln zu stehen, denen zufolge Russland ausländische Unternehmen in diesem Bereich nicht diskriminieren darf.

Seit 2015 hat Russland seine Politik der Importsubstitution durch verschiedene Beschränkungen und Anreize schrittweise ausgeweitet. Sie zielen darauf ab, bei der Auftragsvergabe bestimmte staatliche oder staatsnahe Stellen und bei staatlich finanzierten Investitionsprojekten auch andere juristische Personen dazu zu bewegen, auf ausländische Waren und Dienstleistungen zu verzichten und diese durch andere zu ersetzen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Unternehmen in der EU sind beträchtlich. Im Jahr 2019 belief sich der Wert der von staatseigenen Unternehmen veröffentlichten Ausschreibungen auf 23,5 Bio. Rubel, was rund 290 Mrd. Euro entspricht und 21 Prozent des russischen BIP ausmacht.

Die EU stellt insbesondere drei russische Maßnahmen infrage, die mit dem WTO-Recht unvereinbar zu sein scheinen. Insbesondere geht es um den zentralen WTO-Grundsatz der Inländerbehandlung, nach dem WTO-Mitglieder ausländische und inländische Hersteller diskriminierungsfrei behandeln müssen. Hierzu gehören

  • die diskriminierende Bewertung von eingereichten Angeboten im Rahmen von Ausschreibungen: Während der Bewertungsphase ihrer Beschaffungen ziehen bestimmte staatliche oder staatsnahe Unternehmen 15 Prozent (bei bestimmten Produkten bis zu 30 %) vom Angebotspreis für inländische Waren oder Dienstleistungen russischer Unternehmen ab. Wird das Angebot mit inländischen Waren oder Dienstleistungen eines russischen Unternehmens anschließend ausgewählt, wird dann doch der volle Preis gezahlt. Dies bedeutet, dass eingeführte Waren oder Dienstleistungen ausländischer Unternehmen in dieser Bewertungsphase ungünstiger beurteilt werden, da sie nicht in den Genuss dieser Herabsetzung des Preises um 15 Prozent kommen. Dies führt zu einer Diskriminierung von Angeboten für eingeführte Waren oder Dienstleistungen, die von ausländischen Unternehmen bereitgestellt werden.
  • vorgeschriebene Vorabgenehmigungen: Russische Unternehmen, die bestimmte technische Produkte im Ausland beschaffen wollen, benötigen eine Genehmigung der russischen Kommission für Importsubstitution. Diese Genehmigung scheint willkürlich erteilt zu werden und ist für den Erwerb inländischer technischer Produkte nicht erforderlich.
  • bei der Beschaffung vorgeschriebene Quoten für den Anteil inländischer Erzeugnisse: Bei rund 250 Produkten, darunter Fahrzeuge, Maschinen, Medizinprodukte und Textilwaren, muss ein Anteil von bis zu 90 Prozent auf inländische Erzeugnisse entfallen.
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