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Nachhaltige Fischerei: Kommission legt Vorschläge für Fangmöglichkeiten in der Ostsee für 2021 vor

(28.08.2020) Die Europäische Kommission hat heute ihren Vorschlag für die Fangmöglichkeiten 2021 für die Ostsee  für das kommende Jahr angenommen.

Demnach sollen die Fangquoten für Hering im Rigaischen Meerbusen und Lachs im Hauptbecken der Ostsee steigen und für Hering im Bottnischen Meerbusen, für Sprotte und Scholle gleichbleiben. Für alle übrigen Bestände schlägt die Kommission vor, die Fangmöglichkeiten zu verringern, unter anderem für Dorsch in der westlichen Ostsee um 11 Prozent und Hering in der westlichen Ostsee um 50 Prozent. Grundlage der Kommissionsvorschläge sind die neuesten verfügbaren wissenschaftlichen Gutachten und das Ziel, die Nachhaltigkeit der Fischbestände langfristig zu verbessern. Über die Kommissionsvorschläge müssen nun die zuständigen Minister der EU-Staaten entscheiden.

Virginijus Sinkevičius, Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, erläuterte: „Der Zustand der Fischbestände in der Ostsee wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Die Fischerei ist einer dieser Faktoren, aber auch die Meeresverschmutzung oder der Klimawandel wirken sich sehr stark auf die Gesundheit der Bestände aus. Die langfristige Nachhaltigkeit der Ostsee ist keine Option unter vielen, sondern eine unabdingbare Voraussetzung. Wir verabschieden heute einen realistischen Vorschlag, der sich meiner Überzeugung nach sowohl für die Fischer als auch für die Fische positiv auswirken wird. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und anderen Interessenträgern des Ostseeraums. Da der Druck auf die Fischbestände in der Ostsee nicht allein durch die Fischereipolitik bewältigt werden kann, habe ich die Initiative ergriffen, eine Ministerkonferenz aller an der Ostsee gelegenen EU-Staaten einzuberufen, um sämtliche Faktoren umfassend einzubeziehen mit dem Ziel, eine langfristige Zukunft für die Ostsee sicherzustellen.“

Die vorgeschlagenen zulässigen Gesamtfangmengen (TAC) beruhen auf wissenschaftlichen Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (link is external)(ICES) und folgen dem mehrjährigen Bewirtschaftungsplan für die Ostsee ‚ der 2016 vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen wurde.

In den letzten Jahren haben die Fischerinnen und Fischer, die Industrie und die Behörden in der EU erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Fischbestände in der Ostsee wieder aufzufüllen. In den Fällen, in denen vollständige wissenschaftliche Gutachten vorliegen, war es im Vorfeld der Entscheidungen über die Fangmöglichkeiten in der Ostsee gelungen, Fangmöglichkeiten im Einklang mit dem Grundsatz des höchstmöglichen Dauerertrags (MSY) für sieben von acht Beständen festzulegen, die mengenmäßig 95 Prozent der Fischanlandungen abdecken.

Im Jahr 2019 stellten Wissenschaftler jedoch fest, dass die Lage weniger stabil ist als zuvor geschätzt. Daher sind entschlossene Maßnahmen erforderlich, um alle Bestände wiederaufzufüllen und sicherzustellen, dass sie im Einklang mit dem MSY ein nachhaltiges Niveau erreichen oder auf diesem Niveau bleiben.

Der Rat wird den Vorschlag der Kommission nun prüfen, damit er auf einer Ministertagung am 19./20. Oktober angenommen werden kann.

Dorsch

Für Dorsch in der östlichen Ostsee entdeckten Wissenschaftler im Jahr 2019, dass die Bestandsgröße erheblich zurückgegangen war und seit einiger Zeit unter den sicheren biologischen Grenzen lag. Angesichts der Dringlichkeit der Angelegenheit hat die Kommission die Fischerei auf Dorsch im zweiten Halbjahr 2019 in den Gebieten mit der größten Präsenz von Dorsch in der östlichen Ostsee verboten. Für 2020 hat der Rat auf Vorschlag der Kommission die TAC erheblich gekürzt, ihre Verwendung auf Beifänge beschränkt, Dauer und Geltungsbereich der bestehenden Sperrzeit während der Laichsaison verlängert und die Freizeitfischerei in Gebieten verboten, in denen Dorsch in der östlichen Ostsee am häufigsten vorkommt Da sich die Lage des Bestands nicht verbessert hat, schlägt die Kommission auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten vor, die TAC für Beifänge um 70 Prozent zu verringern und alle flankierenden Maßnahmen beizubehalten.

Dorsch in der westlichen Ostsee befindet sich seit mehreren Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Im Jahr 2018 gab es Hinweise auf eine zunehmende Bestandsgröße. Leider wurde die Bestandsgröße seither jedes Jahr nach unten korrigiert und liegt unter dem Niveau eines gesunden Bestands. Daher schlägt die Kommission vor, die zulässigen Gesamtfangmengen um 11 Prozent zu verringern und alle für 2020 angenommenen flankierenden Maßnahmen beizubehalten. Bei diesen Maßnahmen handelt es sich um eine Sperrzeit während der Laichsaison im gesamten Gebiet und eine Begrenzung für Freizeitfischer auf fünf Exemplare pro Tag und zwei Exemplare während der Sperrzeit. Darüber hinaus ist die TAC in den tieferen Gewässern des östlichen Teils der Ostsee auf Beifänge beschränkt und die Freizeitfischerei verboten. Diese Maßnahmen im östlichen Teil der Ostsee sind aufgrund des gemischten Vorhandenseins von Dorsch aus der westlichen und der östlichen Ostsee und des außergewöhnlich schlechten Zustands des östlichen Bestands notwendig.

Hering

Die Bestandsgröße von Hering in der westlichen Ostsee bleibt unterhalb sicherer biologischer Grenzen. Die Kommission schlägt daher vor, die zulässigen Gesamtfangmengen um 50 Prozent zu verringern. Für Hering in der mittleren Ostsee schlägt die Kommission im Einklang mit dem ICES-Gutachten eine Verringerung der TAC um 36 Prozent vor, da die Bestandsgröße unter das gesunde Niveau gesunken ist. Im Einklang mit dem ICES-Gutachten schlägt die Kommission vor, die TAC für den Bottnischen Meerbusen beizubehalten, während die Situation für Hering im Rigaischen Meerbusen eine Erhöhung der TAC um 15 Prozent ermöglicht.

Scholle

Das ICES-Gutachten würde zwar eine Erhöhung ermöglichen, die Kommission rät jedoch zu Vorsicht. Sie schlägt vor, die TAC unverändert beizubehalten, um die in schlechtem Zustand befindlichen Dorschbestände zu schützen, da Dorsch ein unvermeidbarer Beifang in der Schollenfischerei ist.

Sprotte

Ähnlich wie Scholle würde das ICES-Gutachten für Sprotte auch eine Erhöhung der TAC ermöglichen. Die Kommission rät jedoch zu Vorsicht und schlägt vor, die TAC unverändert beizubehalten. Dies liegt daran, dass Sprotte und Hering in gemischten Fischereien gefangen werden und die TAC für Hering in der mittleren Ostsee erheblich gesenkt werden muss. Darüber hinaus ist Sprotte ein Beutefisch für Dorsch, dessen Bestände in schlechtem Zustand sind.

Lachs

Der ICES geht davon aus, dass frühere Probleme mit erheblichen Falschmeldungen in Bezug auf Lachsfänge im Hauptbecken der Ostsee ausgeräumt wurden. Daher schlägt die Kommission im Einklang mit dem ICES-Gutachten vor, die TAC um 9 Prozent zu erhöhen. Auf der Grundlage des ICES-Gutachtens schlägt die Kommission jedoch vor, die Fangmengen für den Finnischen Meerbusen um 10 Prozent zu verringern.

Eine detaillierte Tabelle ist nachstehend zu finden.

Hintergrund

Der Vorschlag für die Fangmöglichkeiten ist Teil der Strategie der Europäischen Union zur Anpassung des Niveaus der Fänge an langfristige Nachhaltigkeitsziele oder die Erreichung des höchstmöglichen Dauerertrags (MSY) bis 2020, wie vom Rat und dem Europäischen Parlament im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik vereinbart. Der Vorschlag der Kommission steht auch im Einklang mit den in der Mitteilung der Kommission „Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Fischerei in der EU: Sachstand und Leitlinien für 2021“ und mit dem Mehrjahresplan für die Bewirtschaftung von Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee kommunizierten politischen Absichten.

Tabelle: Überblick über die TAC-Änderungen 2020-2021
(Angaben in Tonnen, außer bei Lachs, der in Stückzahl angegeben ist)

 

2020

2021

Bestand und
ICES-Gebiet; Untergebiet

Vereinbarung im Rat (in Tonnen und prozentuale Veränderung gegenüber TAC 2019)

Vorschlag der Kommission
(in Tonnen und prozentuale Veränderung gegenüber TAC 2020)

Dorsch in der westlichen Ostsee 22 – 24

3 806 (- 60 %)

3 395 (- 11 %)

Dorsch in der Östlichen Ostsee 25-32

2 000 (- 92 %)

595 (- 70 %)

Hering in der westlichen Ostsee 22-24

3 150 (- 65 %)

1 575 (- 50 %)

Hering im Bottnischen Meerbusen 30-31

65 018 (- 27 %)

65 018 (0 %)

Hering im Rigaischen Meerbusen 28.1

34 445 (+ 11 %)

39 446 (+ 15 %)

Hering in der mittleren Ostsee 25-27, 28.2, 29, 32

153 384 (- 10 %)

97 551 (- 36 %)

Sprotte 22-32

210 147 (- 22 %)

210 147 (0 %)

Scholle 22-32

6 894 (- 32 %)

6 894 (0 %)

Lachs im Hauptbecken der Ostsee 22-31

86 575 (- 5 %)

94 496 (+ 9 %)

Lachs im Finnischen Meerbusen 32

9 703 (0 %)

8 714 (- 10 %)

 

 

Weitere Informationen

Vollständige Pressemitteilung

Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee für 2021 

Anhang des Vorschlags für eine Verordnung des Rates zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in der Ostsee für 2021 

Fragen und Antworten zu den Fangmöglichkeiten für 2021 in der Ostsee

Pressekontakt: Claudia Guske (link sends e-mail), +49 (30) 2280-2190

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail(link sends e-mail) oder telefonisch unter (030) 2280 2900.

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